Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott

Windy CoastEin Priester saß an seinem Schreibtisch und bereitete seine Predigt vor, als er plötzlich eine Explosion hörte. Ein Damm war gebrochen. Der Fluss führte Hochwasser und die Bevölkerung wurde evakuiert. Der Priester sah, wie das Wasser stieg. Es fiel ihm schwer aufsteigende Panik zu unterdrücken, aber er sagte sich: „Ausgerechnet jetzt, wo ich meine Predigt schreibe… Ich werde nicht fliehen. Ich bleibe hier und vertraue auf Gott.“ Als das Wasser bis zu seinem Fenster stieg, fuhr ein Boot vorbei, und die Menschen darin riefen ihm zu: „Steig ein, Herr Pfarrer.“ „Oh, nein, Kinder“, sagte der Pfarrer zuversichtlich, “ich vertraue auf Gott. Der wird mich retten.“ Er kletterte jedoch aufs Dach, und als das Wasser auch bis dorthin stieg, kam ein weiteres Boot voller Menschen vorbei, und sie drängten den Pfarrer einzusteigen. Wiederum lehnte er ab. Dieses Mal stieg er auf den Schornstein. Als ihm das Wasser bis zu den Knien reichte, schickte man einen Polizeioffizier mit dem Motorboot, um ihn zu retten. „Nein, danke, Herr Offizier“, sagte der Pfarrer ruhig lächelnd. „Sehen Sie, ich vertraue auf Gott. Er wird mich nicht im Stich lassen.

 

Hund und Esel

Ein Hund und eine Eselin verlieben sich unsterblich ineinander und feiern schließlich im Kreise ihrer Freunde ihre Hochzeit. Alle geladenen Tiere nehmen teil an dem berauschenden Fest und sind sich einig, kaum je ein schöneres glücklicheres Brautpaar erlebt zu haben.

Das Fest ist vorüber, das strahlende Paar bezieht frohen Mutes seine Hütte, um fortan zusammenzuleben. Die Jahreszeiten ziehen ins Land und 1 Jahr darauf kommt der Dachs – ehemals Hochzeitsgast – in die Gegend der beiden, erinnert sich der glücklichen Hochzeit und beschließt, Hund und Eselin einen Besuch abzustatten.

Er kommt zu deren Hütte, betritt diese und ist angesichts der beiden tief erschrocken. Sie geben ein Bild des Jammers ab. Total geschwächt und bis auf die Knochen abgemagert kauern sie am Boden, ringen um Atem, siechen dahin.

Der Dachs wendet sich zutiefst besorgt an den Hund und flüstert ihm ins Ohr: “Was ist nur Deiner ehemals blühenden Braut widerfahren?” – “Ich habe keine Ahnung, ich bin völlig verzweifelt. Sie wird weniger und weniger, obwohl ich ihr immer die besten Knochen und das beste Fleisch überlasse.” Der Dachs stellt daraufhin der Eselin ebenfalls die Frage, was mit dem Hund geschehen sei. Daraufhin die Eselin: “Es ist ganz schrecklich, mein Gemahl wird immer schwächer und kränker, obwohl ich ihm immer das duftigste Heu und die feinsten Disteln überlasse.”

Das Gehör des Indianers

Das Gehör des Indianers
Das Gehör des Indianers

Ein Indianer, der in einem Reservat weit von der nächsten Stadt entfernt wohnte, besuchte das erste Mal seinen weißen Bruder in der großen Metropole. 

Er war sehr verwirrt vom vielen Lärm, von der Hektik und vom Gestank in den Straßenschluchten. Als sie nun durch die Einkaufsstraße mit den großen Schaufenstern spazierten, blieb der Indianer plötzlich stehen und horchte auf. 

“Was hast Du?”, fragte der Freund.

“Ich höre irgendwo eine Grille zirpen.”, antwortete der Indianer. 

“Das ist unmöglich!”, lachte der Weiße. “Erstens gibt es hier in der Stadt keine Grillen und zweitens würde ihr Geräusch in diesem Lärm untergehen.”

Der Indianer ließ sich jedoch nicht beirren und folgte dem Zirpen. 

Sie kamen zu einem älteren Haus, dessen Wand ganz mit Efeu überwachsen war. Der Indianer teilte die Blätter und tatsächlich: Da saß eine große Grille. 

“Ihr Indianer habt einfach ein besseres Gehör.”, sagte der Weiße im weitergehen. 


“Unsinn”, erwiderte sein Freund vom Land. “Ich werde Dir das Gegenteil beweisen.” 

Er nahm eine kleine Münze und warf sie auf den Boden. Ein leises “Plins” ließ sich vernehmen. Selbst einige Passanten, die mehr als 10 Meter entfernt standen, drehten sich augenblicklich um und schauten in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört hatten. 

“Siehst Du, mein Freund, es liegt nicht am Gehör. Was wir wahrnehmen können oder nicht, liegt ausschließlich an der Richtung unserer Aufmerksamkeit.”